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Die Alblinsen

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Die traditionellen schwäbischen Alblinsen.

Die Böden auf der Schwäbischen Alb bestehen aus Jurakalkgestein. Aus diesem Grund sind sie steinig, karg und wasserdurchlässig. Viele Pflanzen können hier nicht gedeihen, denn zu den Böden kommt das raue Klima der Alb. Für den Linsenanbau waren die Böden ideal. Einst wurden in Deutschland hauptsächlich in den kalkhaltigen Mittelgebirgen Linsen angebaut. Erbsen und Bohnen fand man in den tieferen Ebenen.
Der traditionelle Linsenanbau wurde auf der Schwäbischen Alb, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, intensiv betrieben. Die meisten Bauern brauchten die Linsen für den Eigenbedarf, um ihre Familien satt zu bekommen. Es gab jedoch auch Gutsherren, die Linsen im großen Stil kultivierten, so wie der als “Linsenkönig vom Lautertal“ bekannt gewordene Bauer Erzberger aus Gundelfingen.
Wegen des großen Aufwands bei Ernte und Reinigung, den relativ geringen Erträgen verschwand die uralte, traditionelle Nahrungspflanze aus ganz Deutschland und somit auch auf der Alb. Linsen waren damals, ebenso wie Erbsen und Bohnen ein wichtiger Eiweißlieferant. Tierisches Eiweiß war für die arme Bevölkerung zu teuer. Mit den Hülsenfrüchten, stellten die Köche der heimischen Küchen, sättigende und gesunde eiweißreiche Speisen her, welche die ganze Familie satt machten und Stärke für die Feldarbeit gaben. Ein bekanntes Essen, welches in jener Zeit entstanden ist, sind die Linsen mit Spätzle. Das schwäbische Nationalgericht ist heute noch, in leicht abgewandelter Form mit Saitenwürstchen, auf fast allen Speisekarten der Region zu finden. Andere Spezialitäten, welche hier traditionell zubereitet wurden, wie das Linsengerstbrot, oder der Linsensalat sind in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten.
Seit 1985 baut man die Leisa - schwäbisch für Linsen – wieder an. Dafür wählte man eine kleine grüne, französische Linsensorte, die den klimatischen Bedingungen gerecht wird. Die Sorten, welche man bis vor den 2 Weltkrieg hier angebaut hatte, schienen vollkommen verschwunden zu sein. 2006 entdeckte man die verloren geglaubte Linsensorten, in der der Wawilow-Genbank in St. Petersburg wieder. Derzeit sind Wissenschaftler damit beschäftigt Saatgut herzustellen, um die ursprüngliche Albsorten hier wieder anzusiedeln. Der Name Alblinsen ist heute eine von der EU geschützte Ursprungsbezeichnung. Die Marke Alb-Leisa ist eine eingetragene Marke. Nur Bio-Linsen, der hier eigens gegründeten Erzeugergemeinschaft, werden unter diesem Markennamen verkauft. Derzeit werden Linsen auf über 100 ha Fläche, von 41 Biohöfen (Sie arbeiten nach Richtlinien ökologischer Anbauverbände, wie Bioland, Demeter oder Naturland) angebaut. Da die Erntemengen noch recht gering sind, bekommt man sie nur in ausgesuchten Läden im Ländle und in einigen bayrischen Ortschaften zu kaufen.
Trotz modernster Technik ist es nicht viel leichter geworden die Linsen auf den Markt zu bringen. Das raue Klima und die oft niederschlagsreiche Erntezeit erfordern Anbaumethoden, die man in den großen Linsenanbaugebieten, wie in Indien oder Kanada nicht kennt. So sät man auf der Alb schon seit Jahrhunderten die Linsen gemeinsam mit Getreide aus. Die sehr feinen Linsen ranken sich an den Getreidestengeln hoch. Ohne diese Rankhilfe würden die Linsenpflanzen umfallen und die Linsen auf dem feuchten Boden verschimmeln. Heute werden die Linsen zwischen März und April, zumeist mit Gerste oder Hafer angebaut.
Den richtigen Erntezeitpunkt zwischen Juli und September zu finden, erfordert von den Landwirten viel Fingerspitzengefühl. Zum einen sind die Wetterbedingungen nicht immer ideal. Zum anderen sind Getreide und Linsen selten gemeinsam reif. Außerdem sind nicht alle Linsen gleichzeitig gereift. Aufgeplatzte Hülsen und Blüten an einer Pflanze sind keine Seltenheit.

Die "Alb-Leisa".

Gedroschen wird das Linsen-Getreidegemisch mit einem normalen Mähdrescher. Früher wurden das frisch gedroschene Gemisch wie Heu an der Sonne getrocknet. Doch diese mühsame Handarbeit möchte heute keiner mehr durchführen. So geschieht die Trocknung, des feuchten gedroschenen Linsen-Getreidegemisches, schonend in mehreren Durchläufen, in einer Trocknungsanlage, bei einer Temperatur von maximal 40° C. Selbstverständlich müssen während des gesamten Vorganges die Feuchteprozente kontrolliert werden. Bei einem Feuchtegehalt von höchstens 14% ist das Gemenge lagerfähig.
Der nächste Schritt ist die Reinigung. Um eine möglichst steinfreie Qualität zu liefern, ist auch die moderne Technik eine hohe Herausforderung. Dafür durchlaufen die Linsen einen vielstufigen Trenn- und Reinigungsprozess. Dabei werden nahezu alle Getreidekörner, Unkrautsamen und Steinchen aussortiert.